Bonitätsabhängige Bepreisung einer Baufinanzierung
Zwischenzeitlich ist es allgemein bekannt, dass die Kreditkonditionen direkt von der Bonität des Kreditnehmers abhängen. Dies stellt man insbesondere dann fest, wenn man Kreditwerbungen sieht. Meistens ist bei dem umworbenen Zins-Satz der Zusatz „ab“ angebracht. Die günstigsten Konditionen erhalten meistens nur die besten Bonitäten. Die Bonitätsermittlung erfolgt dabei direkt vom Kreditinstitut. Die Bonitätssysteme der Banken sind meistens geheim. Sie sind oft so undurchsichtig, dass die Bankmitarbeiter selbst das Ergebnis nicht beeinflussen und oft auch nicht verstehen können. Das Ziel solcher Systeme besteht darin, die Kreditvergabe zu standardisieren und von menschlichen Einflüssen unabhängig zu machen. Dieses Konditionsvergabeverhalten ist insbesondere bei Anschaffungsdarlehen zu beobachten.
Bei einer Baufinanzierung dagegen ist die Bonität nicht entscheidend. Der Markt im Bereich der Immobilienfinanzierung ist so hart umkämpft, dass eine bonitätsabhängige Bepreisung beim Baugeld sich nicht durchsetzen lässt. Davon profitieren in erster Linie die Kunden mit relativ schwachen Einkommensverhältnissen. Sie bekommen auf diese Weise einen Immobilienkredit zu gleichen Konditionen wie ein vermögender Kunde. Die Konditionen einer Hypothek hängen in erster Linie von der Besicherung ab. Ein vermögender Kunde mit guter Bonität muss allerdings die gegebenen Konditionen nicht einfach hinnehmen. Das Wissen um die eigene gute Bonität sollte zum eigenen Vorteil umgemünzt werden.
Bei den Kreditverhandlungen sollte ein Abschlag von der Standardkondition angestrebt werden. Die eigene Bonität ist dabei das wichtigste Argument. Man sollte dabei der Bank zu verstehen geben, dass zu Standardkonditionen ein Abschluss bei jeder Bank möglich wäre.
Jeder Kundenberater hat bestimmte Kompetenzen, innerhalb denen bestimmte Abschläge möglich sind. Seine Vorgesetzten haben dabei eine noch höhere Kompetenz. Ein Abschlag von der normalen Kondition ist daher möglich. Ausnahmen sind Sonderprogramme der Kreditinstitute, die in ihrem Gesamtvolumen begrenzt sind. Diese sind oft an der Preisuntergrenze kalkuliert. Im Hintergrund wurden womöglich sogar Absicherungsgeschäfte (zum Beispiel zur Abschirmung der Zinsänderungsrisiken) abgeschlossen, die auch Kosten nach sich ziehen. Bei den Sonderprogrammen muss der angebotene Zinssatz akzeptiert werden.
